Der Blutsonntag von Bozen

Nach dem "Bozner Blutsonntag" und der Ermordung des Lehrers Innerhofer war den italienischen Behörden die wahrheitsgemäße Berichterstattung der Südtiroler Medien ein Dorn im Auge. Am 2. Mai 1921 drohte das Generalkommissariat, die "von einzelnen politischen Parteiführern und von einzelnen Zeitungen" ausgehende "Hetze gegen das italienische Volk" nicht länger dulden zu wollen, notfalls Druckereien militärisch besetzen zu lassen und unbotmäßige Journalisten über die Grenze abzuschieben. ("Südtiroler Landeszeitung vom 2. Mai 1921) Nach dem von den faschistischen Besatzern am 15. Juli 1923 verfügten Verbot des Namens "Tirol", mußte der "Tiroler" in "Landsmann" umbenannt werden.

Im Jahre 1925 wurde dann ohnedies mit der deutschen Presse aufgeräumt: Vorzensur, Weisungsrecht der Behörden gegenüber den Redaktionen, Zeitungsbeschlagnahmen, Schikanen und Gerichtsverfahren gegen Redakteure.

Zuletzt wurde die deutsche Presse insgesamt verboten. Ab 1926 durften "Dolomiten", der "Volksbote" und das "Katholische Sonntagsblatt" unter der strengen Aufsicht eines der Redaktion zugeordneten Polizeikommissars wieder erscheinen. Eine freie Berichterstattung war nicht mehr möglich.

Der "Bozner Blutsonntag" war mehr gewesen als nur ein lokales Ereignis. Er war in Wahrheit ein erstes Flammenzeichen an der Wand gewesen, welches ein Unheil apokalyptischen Ausmaßes ankündigte: Europas und Deutschlands Gang ins Verderben!

Auch heute sieht Europa von dem weg, was sich in Italien anbahnt. Die heutige Republik Italien ist unter Berlusconi und den Neofaschisten seines Regierungsbündnisses zu einem halbfaschistischen Staat verkommen, in welchem das Verbot neofaschistischer Organisationen nur noch auf dem Papier steht. Faschistische Massenaufmärsche wie jener in Bozen am 5. März 2011 finden unter dem Schutz der italienischen Polizei statt. In Bozen verhöhnt ein Mussolini-Denkmal alle Demokraten. Der aus dem neofaschistischen "Movimento Sociale Italiano" (MSI) kommende Senats-Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei "Popolo delle Liberta", Maurizio Gasparri, forderte im Dezember 2010 öffentlich die "präventive" Inhaftierung politischer Gegner, ohne daß dies seiner Karriere im Regierungslager Abbruch tat.

Die vorliegende Dokumentation ist nicht nur eine Erinnerung an geschehenes Unrecht: Sie ist auch eine Mahnung an alle Demokraten, die Wiederkehr des Faschismus mitten in Europa nicht widerspruchslos hinzunehmen!

 
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